Ein möglicher Standpunkt dazu

 

Wenn es irgendeine Form von höherem Wesen oder höherer Macht gibt, das oder die den Menschen in irgendeiner positiven Weise zugetan ist, dann wird es allen Menschen zu allen Zeiten gleich zugetan sein. Dann ist es extrem unwahrscheinlich und widersinnig, dass es nur einer Volksgruppe zu einer Zeit einmal die Wahrheit über sich gesagt hat und alle anderen Völker zu allen anderen Zeiten auf die falschen Fährten lockt. Vielmehr sollte jeder Mensch zu jeder Zeit Zugangswege zu ihm oder ihr haben.

 

Dann liegen die Wahrheiten, die in Religionen stecken, in deren Bildern, die zur jeweiligen Kultur und Zeit passen. Und alle Religionen sind erst einmal gleich wahr, nur die Sprache der jeweiligen Bilder passt mal mehr, mal weniger zur eigenen Kultur und Zeit.

 

Dann aber wiederum darf man sehr wohl nach Gemeinsamkeiten hinter den Bildern aller Religionen suchen. Und der gemeinsame Nenner scheint nicht die Anbetung einer höheren Macht zu sein, sondern das miteinander Leben der Menschen. Und Gott ist vielleicht auch nicht zwingend ein Synonym für irgendeine Form höherer Existenz, sondern selbst ein Bild, eine Metapher zur Einordnung der Menschen in ihre Welt - vielleicht:

  

dafür, dass wir nicht der Weisheit letzter Schluss sind, 

 

dafür, dass wir Teil eines großen Ganzen sind, das unser Begreifen von Zeit und Raum und Komplexität (und je nach Betrachtungsweise auch an Schönheit) bei weitem übersteigt. 

 

dafür, dass es Altruismus (oder Liebe) gibt.

 

Und schließlich vielleicht für eine Art Vertrauen, der eigenen Existenz einen Sinn geben zu können.

 

Damit wären aber die Grenzen zwischen Glauben und Nichtglauben, zwischen Gläubigen und Nichtgläubigen auf eine Weise verwischt, die zumindest die Dogmatiker beider Lager so strikt ablehnen, dass der Gedanke allein schon deshalb interessant ist.

 

Aber warum sollte man sich überhaupt so weit aus dem Fenster lehnen und über Gott reden?

 

Weil die Spaltung in der Gesellschaft erheblich mehr Sprengkraft hat, wenn man über alles Religiöse schweigt. Man kann nicht über Weltanschauung diskutieren und religiöse Weltanschauungen dabei außen vor lassen oder nicht zur Diskussion stellen - in einer Kultur, deren Denken so massiv durch Religion geformt worden ist, dass es eigentlich noch immer nur oberflächlich säkular ist.

 

Wie sehen Sie das?                                                                                                                                                home